Drohnen und 3D-Druck - eine Erfolgsformel, die die Bayerische Bergwacht zu nutzen weiß

by Susanne Wagner (comments: 0)

Im Rahmen von MatX 2018 wird Thomas Griesbeck, Vize-Geschäftsführer der Bergwacht Bayern, nicht nur das Einsatzpotenzial von Drohnen in der Bergrettung beleuchten, sondern auch die Technologie der Drohne in Zusammenhang
mit der additiven Fertigung im Alltagsgeschehen der Bergwacht skizzieren.
"Wir brauchen bei Einsätzen und vor allem bei Personensuchen den Blick von oben. Früher war das nur mit Hubschraubern möglich, heute ermöglichen dies Drohnen. Und dies oftmals schneller, leiser und günstiger“, so Thomas Griesbeck,(Foto re.) Vize-Geschäftsführer der Bergwacht Bayern

Bildquelle: BRK

Drohnen und 3D-Druck - eine Erfolgsformel, die die Bayerische Bergwacht zu nutzen weiß

Drohnen, noch vor wenigen Jahren unter militärischer Geheimhaltung, stehen heute nicht nur auf vielen Weihnachtswunschlisten, sondern sind oftmals auch noch im Supermarkt um die Ecke erhältlich. Mit dem Einsatz von Drohnen in der Bergrettung hat sich für Thomas Griesbeck, Vize-Geschäftsführer der Bergwacht Bayern, ebenfalls ein großer Wunsch erfüllt, nämlich noch besser Menschen in Not retten zu können. Im Rahmen von MatX 2018 wird der gebürtige Münchner nicht nur das Einsatzpotenzial von Drohnen in der Bergrettung beleuchten, sondern auch die Technologie der Drohne in Zusammenhang mit der additiven Fertigung im Alltagsgeschehen der Bergwacht skizzieren.

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Wir sprachen mit Thomas Griesbeck über Bergrettung, und die spannende Kombination zweier Technologietrends, den Drohnen aus dem 3D-Druck.

Warum setzen Sie Drohnen in der Bergrettung ein?

Berge sind im Gegensatz zu Meer und Wüste von der Seite her schlecht zu überblicken. Wir brauchen bei Einsätzen und vor allem bei Personensuchen den Blick von oben. Früher war das nur mit Hubschraubern möglich, heute ermöglichen dies Drohnen. Und dies oftmals schneller, leiser und günstiger.

Welchen extremen Bedingungen muss sich Material einer Drohne speziell im Einsatz bei der Bergwacht standhalten?

Es geht los mit dem Transport, manchmal im Rucksack, in der Seilbahn, im Geländewagen oder auf dem Skischlitten. Häufig kommen Drohnen dann zum Einsatz, wenn das Wetter nicht so günstig ist. Schnee, Wind, Kälte oder Regen. Und oft bekommen die Drohnen nicht die Aufmerksamkeit, die ein Hobbyflieger seinem Liebling angedeihen lässt. Bei uns sind sie Werkzeuge und Mittel zum Zweck.

Nicht nur der Einsatz von Drohnen sondern auch die Instandhaltung oder die Wiederherstellung nach Beschädigung bedeutet hohe Investitionskosten. Rechnen sich diese Investitionen?

Die Investitionskosten werden immer geringer, die Drohnen immer billiger. Heute bekommt man ein sehr praktisches Exemplar für rund 1000 Euro. Das entspricht einer halben Flugstunde mit dem Hubschrauber. Einem eher kleinen Hubschrauber!

Was hat Sie dazu bewogen, Ersatzteile selbst in additiver Fertigung zu drucken?

Wie so oft: weil wir es können! Ausgangspunkt war die faszinierende Möglichkeit, Bauteile am Computer zu entwickeln und dann kurz darauf in der Hand halten zu können. 3D Drucker wurden vor einigen Jahren erschwinglich und einige von uns haben seit Jahren einen solchen Drucker zu Hause. Das erste Bauteil das ich persönlich gedruckt habe war übrigens auch das wichtigste: ein Ersatzgriff für unsere Kaffeemühle.  

Können nur beschädigte Teile durch Druck ersetzt werden oder ist die Drohne durch zusätzliche Features immer wieder erweiterbar?

Sowohl aus auch. Wir drucken mittlerweile komplette Drohnen, wir drucken Halterungen für Kameras, Lampen, Funksensoren und einiges mehr.

Muss man neben bergretterischen Fähigkeiten nun auch technologisches Ingenieurswissen erlernen, um die Drohne bedienen zu können, sie fit für den Alltag zu halten und vor allem den 3D- Drucker handhaben zu können?

In gewisser Weise ja, denn ohne Interesse und Fachwissen geht nichts. Allerdings macht es auch sehr viel Spaß, neue Dinge zu erlernen und auszuprobieren. Hinzu kommt, dass wir in Bayern neun Gruppen haben, die sich mit diesen Dingen beschäftigen und die sich auch untereinander austauschen. Und in den meisten Teams sind Ingenieure, Konstrukteure und andere Fachleute.

Macht der Einsatz von Drohnen in Kombination mit dem eigenständigen 3-D-Druck in der Bergrettung bereits „Schule“ oder sind Sie hier noch Vorreiter?

Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Bergwacht Bayern nun wahrlich weder Drohnen noch 3-D Drucker erfunden hat. Wir nutzen das, was uns andere an die Hand geben und wir sind gespannt, was in den vor uns liegenden Jahren noch alles möglich sein wird. Das Ende der Fahnenstange ist längst noch nicht erreicht.


Das Interview mit Herrn Griesbeck führte unsere Kollegin Nicola Socha, Bayern Innovativ

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